Wer einem Asylbewerber die Chance auf eine Ausbildung in seinem Handwerksbetrieb gibt, geht ein nicht geringes Risiko ein. Neben der Wirtschaft hat inzwischen auch die Politik hier einen Klarstellungsbedarf erkannt.

Florian Braun, Landesvorsitzender der Jungen Union Nordrhein-Westfalen (JU NRW), sieht für junge Flüchtlinge in NRW eine Chance: „Die Ausbildung in einem deutschen Betrieb fördert nicht nur die Integration der in Deutschland lebenden Flüchtlinge. Bei der Rückkehr in das Heimatland bietet die erworbene Qualifikation auch eine aussichtsreiche Perspektive. Auf der anderen Seite suchen viele Unternehmen in NRW aktuell nach Nachwuchskräften. Warum sollten also Flüchtlinge, die auf Grund von Krieg und Verfolgung derzeit bei uns Asyl suchen, ihre Zeit nicht sinnvoll mit einer Ausbildung nutzen? Für uns ist das eine klassische Win-Win-Situation.“ Wirtschaftsflüchtlinge aus sicheren Herkunftsländern, deren Anträge auf Asyl nahezu vollständig als unbegründet eingestuft werden, sollten hiervon jedoch nach Meinung des 26-jährigen Kölners ausgenommen werden bis deren Anträge abschließend geklärt sind.

In einem Interview gegenüber dem Kölner Stadtanzeiger sprach sich Landesintegrationsminister Guntram Schneider (SPD) dafür aus, mehr junge Flüchtlinge in Ausbildung zu bringen – zeitgleich wolle er allerdings auch eine Legalisierung des Aufenthalts über eine Stichtagsregelung ermöglichen. Der Stellvertretende Vorsitzende der JU NRW, Stefan Grawe, fordert angesichts dessen: „Herr Schneider hat dieses Mal zumindest teilweise etwas Sinnvolles kundgetan. An seiner verbalen Unterstützung für bessere Bedingungen bei der Ausbildung von Flüchtlingen wollen wir nun auch seine Taten messen. Bislang vermissen wir ein entsprechendes Engagement innerhalb der Landesregierung und vor allem ein klares Bekenntnis seitens Ministerpräsidentin Kraft. Einer Stichtagsregelung zur kompletten Legalisierung des Aufenthalts erteilen wir aber eine klare Absage!“

Zum Hintergrund: Derzeit bietet das Bundesrecht die Möglichkeit, Asylbewerbern einen gesicherten Aufenthaltsstatus mindestens für die Dauer ihrer Ausbildung zu gewähren. Die Anwendung dieser Regelung obliegt aber den Ländern. Diese entscheiden hierbei selbst, ob sie davon Gebrauch machen oder nicht. Daher kann es passieren, dass mit Ablehnung des Asylfolgeantrags die Ausbildung abgebrochen werden muss – und der Meister ohne Lehrling dasteht. In einer gemeinsamen Initiative von Anfang Februar sprachen sich die Ministerpräsidenten Kretschmann (Baden-Württemberg), Dreyer (Rheinland-Pfalz) und Bouffier (Hessen) dafür aus, Asylbewerbern einen gesicherten Aufenthaltsstatus mindestens für die Dauer ihrer Ausbildung zu gewähren.