Mit anhaltenden deutschlandweiten Aufmärschen machen sie derzeit von sich reden: die Unterstützer von PEGIDA und Co. Ziel ihrer Demonstrationen, die mit dem 20. Oktober in Dresden begonnen und seither stetigen Zulauf erhalten haben, ist nach eigenen Angaben die Bekämpfung einer Islamisierung des Abendlandes. Doch hinter dem Aushängeschild steckt meist ein noch rechtspopulistischeres Gedankengut als der Name ihrer Bewegung ohnehin schon vermuten lässt. Insbesondere für junge Menschen ein gefährlicher Nährboden – finden Florian Braun, Landeschef der Jungen Union NRW (JU NRW), und Thomas Jüngst, Sprecher für Innenpolitik.

Alleine in Bonn sind noch in diesem Jahr zwei weitere Kundgebungen geplant. „Unter dem Deckmantel des Patriotismus wird bei den Demos mit ausländerfeindlichen Parolen Stimmung gegen die Anhänger einer ganzen Weltreligion gemacht. Der Effekt ist klar: bestehende Fronten verhärten sich und neue unnötige Hürden werden aufgebaut“, kritisiert Braun die Demonstrationen. Integrationsbemühungen würden so unterwandert, was letztendlich zu weiteren Problemen führe.

Darüber hinaus sieht Braun gerade die jungen Menschen Gefahr laufen, sich vom rechtspopulistischen Gedankengut anstecken zu lassen. „Hier muss Aufklärungsarbeit geleistet werden, insbesondere von den Jugendorganisationen“, fordert der 25-jährige Kölner weiter und weist auf offene Diskussions-Plattformen wie den Integrationskongress hin, den die JU NRW im März dieses Jahres in Duisburg veranstaltete.

Unter den Demonstranten befinden sich jedoch neben gewaltbereiten Hooligans und Rechtsradikalen auch friedliebende Bürgerinnen und Bürger. Bei den Aufmärschen bringen sie ihre Ängste vor Überfremdung zum Ausdruck. Es sei ein Fehler die Sorgen dieser Menschen nicht ernst zu nehmen, so Thomas Jüngst, seit zwei Jahren Innenpolitischer Sprecher der JU NRW. Stattdessen sei hier ein offener „gesellschaftlicher Dialog sowie eine transparente und effiziente Flüchtlings-, Asyl- und Zuwanderungspolitik“ die richtige Antwort.

Wie eine solche Politik aussehen könnte, beschrieb die Junge Union NRW bereits in einer Pressemitteilung von September, in der sie insbesondere die Verteilungspraxis des Landes bei Asylverfahren ins Visier nahm. Doch nicht nur in Deutschland, auch innerhalb der EU müsse die Verteilung von Flüchtlingen stärker thematisiert werden, findet Jüngst: „Die aktuellen Flüchtlingsströme, die zwar vor Weihnachten abflachen, danach erfahrungsgemäß aber wieder zunehmen, können nur mit unseren europäischen Partnern gemeinsam gestemmt werden. Deutschland wird hier überproportional beansprucht. Daher ist eine quotenmäßige Verteilung unerlässlich.“

„Wenn diese radikalen Kräfte von PEGIDA und Co. wirklich Patrioten wären, würden sie für Toleranz, Religionsfreiheit und Rechtsstaatlichkeit einstehen – die Werte, die unser Zusammenleben ausmachen. Von den Zuwanderern erwarten wir auf der anderen Seite, dass sie sich zum Grundgesetz bekennen, die hiesigen religiösen und kulturellen Begebenheiten akzeptieren und mit uns und nicht neben uns leben wollen“, erklären Braun und Jüngst abschließend.