Eine Woche vor den US-Wahlen warf die Internationale Kommission mit dem US-Experten und Politologen Dr. Andrew Denison einen Rückblick auf die vergangene Amtszeit des US-Präsidenten Trump und wagte einen Ausblick auf die anstehende US-Präsidentschaftswahl. Dr. Denison, Direktor von Transatlantic Networks, häufig geladener Gast bei Phoenix, Anne Will oder auch in der Tagesschau sowie einflussreicher Transatlantiker, diskutierte dabei mit den 60 angemeldeten Teilnehmer ausführlich und offen über die diesbezüglich drängendsten Fragen für die USA, aber auch die transatlantischen Beziehungen.

Hierbei ging Denison zunächst auf die Ausgangslage ein: In denkbar schwierigen Zeiten (Covid-19, Wirtschaftskrise, Klimawandel, Medienwandel) sei das amerikanische Volk aufgerufen, ein neues Staatsoberhaupt zu bestimmen und komme dieser Verantwortung auch zur Genüge nach, was sich in der erheblichen Wahlbeteiligung zeige, die sich bereits zum Zeitpunkt der digitalen Debatte durch eine Vielzahl an Briefwählern auf einem historischen Hoch befand. „Genau dies stellt – neben der ohnehin besonderen Beziehung Deutschlands zu den USA – einen wichtigen Grund für uns als Jugendorganisation dar, diese Wahl genauer zu betrachten und so die Grundlage für unsere künftigen Beziehungen vertieft unter die Lupe zu nehmen“, so Julia Dinn für die IK.

Im Rahmen der Debatte spielte dann das US-Wahlsystem eine besondere Rolle. Das Prinzip der mittelbaren Mehrheitswahl durch die Aufstellung von Wahlmännern hat schon vier Mal in der Vergangenheit dazu geführt, dass nicht der Kandidat, der die meisten Wählerstimmen auf sich vereinen konnte, auch zum neuen Präsidenten gewählt wurde. Dieser Fakt sorgte dafür, dass entsprechend intensiv über das Wahlsystem in den USA mit seinen Stärken und Schwächen diskutiert wurde und dabei die Prognosen für das Ergebnis in den Swing States besonders in den Fokus gerückt wurden, denen traditionell großer Einfluss auf das Gesamtergebnis zukommt.

Jedoch kamen auch die zentralen Geschehnisse der letzten Wochen nicht zu kurz, sodass unter anderem die Auswirkung der Vereidigung von Amy Cony Barett als Richterin am Supreme Court und ihr Einfluss auf gesellschaftspolitische Fragestellungen zu Abtreibung, Gesundheit und Einwanderung diskutiert wurden, aber der Fokus auch auf die momentanen Erwartungen der verschiedenen Wählergruppen (jung/alt/männlich/weiblich/zugewandert) an einen neuen Präsidenten gelegt wurde.

Ausgehend von dieser Basis wurde auch die Zukunft der bilateralen transatlantischen Beziehungen sowie die Auswirkungen auf das Verhältnis zur EU in den Mittelpunkt gerückt. Hierbei bekräftigte Dr. Denison, dass eine pax atlantica, also eine enge Partnerschaft zwischen den USA und Europa, auch für Vereinigten Staaten von vitalstem Interesse sei, jedoch dies nur gelingen könne, wenn Europa auch seinen eigenen Verpflichtungen nachkomme.

Abschließend stand dabei einhellig fest, dass der Ausgang dieser Wahlen massive Auswirkungen sowohl für Deutschland, für die Europäische Union als auch für die Weltpolitik habe und man daher auf die nächsten Tage und Wochen umso mehr gespannt sein dürfe.

Ansprechpartnerin

Dr. Julia Dinn

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