Als „Landkind“ bezeichnet sich Charlotte Quik gerne selbst. Anpacken kann die Powerfrau nicht nur im heimischen Pferdestall, sondern auch im Düsseldorfer Landtag. Leidenschaftlich setzt sich die zweifache Mutter für die Anliegen ihres Wahlkreises und des gesamten ländlichen Raumes ein, ohne dabei den Gegensatz zwischen ländlichem und urbanem Raum auszuspielen. Ein weiteres politisches Herzensthema der Landtagsabgeordneten ist der Bereich Familien- und Frauenpolitik, bei dem sie sich konsequent für die Gleichstellung von Frauen einsetzt und sich zu einer klaren Kante gegen häusliche Gewalt und für einen starken Kinderschutz bekennt. Die absolute Entspannung findet die Germanistin bei guter Lektüre oder im Pferdestall.

Charlotte, Du fühlst Dich Deiner Heimat sehr verbunden und bezeichnest Dich selbst auch als „Landkind“. Was konkret macht für Dich das Landleben aus? Was bedeutet für Dich Heimat?

Heimat ist natürlich in erster Linie dort, wo meine Familie ist. Wenn ich an meine regionale Heimat denke, dann machen für mich gerade die kleinräumigen und persönlichen Strukturen das gewisse „Etwas“ aus. Auf der einen Seite gibt eine große Vielfalt an wunderschönen Dörfern, die allesamt einen eigenen Charme und Charakter besitzen; und auf der anderen Seite steht das urbane Wesel für ein lebendiges Stadtflair. Was ich jedoch besonders am ländlichen Raum schätze – neben der wundervollen Landschaft – ist der persönliche Kontakt und ein gewisses Gemeinschaftsgefühl. Es ist einfach schön, sich persönlich untereinander zu kennen und auch mal gemeinsam zu feiern.

Die Anliegen des ländlichen Raumes vertrittst Du auch tatkräftig und leidenschaftlich im Düsseldorfer Landtag. Was konnte die NRW-Koalition für diesen Teil unseres Landes umsetzen?

Grundsätzlich war die NRW-Koalition seit ihrem Amtsantritt immer darauf bedacht, dass wir den ländlichen und den urbanen Raum nicht gegeneinander ausspielen, oder gar einen Part bevorzugen. Uns geht es vielmehr darum, ein gutes Gleichgewicht zwischen beiden Polen zu finden und an zukunftsgerichteten Projekten zu arbeiten, die beide Wohn- und Lebensräume individuell als ein lebenswertes und gutes Umfeld erhalten und verbessern. Zunächst konnte die NRW-Koalition die schleichende, aber konstante Abkopplung des ländlichen Raumes verhindern, indem wir das Gesamtthema vermehrt in den Fokus unserer Regierungsarbeit gesetzt haben und beispielsweise über die Schlüsselzuweisungen aus dem Gemeindefinanzierungsgesetz für mehr Gerechtigkeit gesorgt haben. Ein weiteres wichtiges Thema für den ländlichen Raum ist natürlich die Landwirtschaft. Zunächst wollten wir die Landwirte von übermäßigen Restriktionen entlasten und nur die nötigsten Verordnungen umsetzen. Die Existenz der Landwirte sollte und soll dabei geschützt werden. Darüber hinaus möchten wir ein besseres gesellschaftliches und politisches Bewusstsein dafür schaffen, wie wertvoll die Arbeit unserer Landwirte ist: Sie macht uns satt! Das verdient unseren Respekt und unsere Anerkennung – auch der Einsatz der Landwirtschaft für unseren Naturraum. Natur- und Umweltschutz ist bei unseren Landwirten in guten Händen, denn sie leben von und mit der Natur.

Obwohl die NRW-Koalition schon viel für den ländlichen Raum getan hat, siehst Du derzeit dennoch auf einigen Gebieten Handlungsbedarf?

Insbesondere die infrastrukturelle Anbindung des ländlichen Raumes sollten wir nicht aus den Augen verlieren. Viele Dienstleistungen, wie zum Beispiel Banken und Poststellen, ziehen sich immer mehr ins Internet und in die Städte zurück, oder haben nur noch ein sehr ausgedünntes Filialnetz. Es muss uns gelingen, Anreize zu geben, derartige Dienstleistungen in Präsenz weiterhin in der Breite aufrechtzuerhalten. Beim Thema Verkehr bekenne ich mich klar zur Individualmobilität. Gerade in sehr weitläufigen und dünnbesiedelten Regionen kann der ÖPNV nicht die gesamte Mobilität aufnehmen, weswegen das Auto in diesen Gegenden kaum umgangen werden kann. Daher müssen ökologisch verträgliche Formen des Individualverkehrs gefördert werden, die jedem eine ausreichende Mobilität
ermöglichen.
Insbesondere für meine Heimat ist der zunehmende Mangel an Bau- und Wohnfläche eine sehr markante Problematik. Die rapide Verknappung von Wohnraum in den naheliegenden Ruhrgebiets-Städten führt dazu, dass zunehmend mehr Menschen auf die umliegenden Dörfer ausweichen. Dieser Zuzug verknappt den vorhandenen Wohnraum deutlich und lässt die Grundstückspreise zudem steigen. Daher müssen wir das Gleichgewicht zwischen städtischem Zuzug und vorhandenen Kapazitäten halten, um den Charakter und Charme vieler Dörfer zu bewahren.

Neben den Anliegen für den ländlichen Raum setzt Du dich auch mit großem Engagement für die Belange von Frauen und Kindern ein. Unter anderem bist Du Mitglied der Frauen Union Kreis Wesel und Mitglied im Ausschuss für Gleichstellung und Frauen. Wie ziehst Du nach ungefähr drei Jahren NRW-Koalition auf diesem Gebiet Bilanz?

Insbesondere in der derzeitigen Lage, wo sich praktisch das gesamte Privatleben in den eigenen vier Wänden abspielt, steigen die Gewalttaten gegen Frauen und Kinder. Daher bauen wir als Landesregierung die Angebote an Hilfsmöglichkeiten aus. Für diese Hilfsangebote müssen wir verstärkt werben, damit jede und jeder die entsprechenden Ansprechpartner unkompliziert
und schnell findet. Es ist mir grundsätzlich ein großes Anliegen, für das Thema häusliche
Gewalt innerhalb der Gesellschaft verstärkt zu sensibilisieren. Gewalt soll nicht länger einfach hingenommen werden. Einen großen Schritt konnte die NRW-Koalition in Bezug auf sexualisierte Gewalt gegen Kinder machen. Unser Innenminister Herbert Reul und die Polizei konnte in diesem Bereich eine Menge bewegen und viele schlimme Gewalttaten durch konsequentes Handeln verhindern oder aufdecken. In Bezug auf die Gleichstellung von Frauen kann ich feststellen, dass wir zunehmend die Gleichberechtigung von Frauen anstreben, aber es noch einiges zu tun gibt. Ich bin kein Freund von Frauenquoten, aber sie verdeutlichen ganz einleuchtend, dass wir als Gesellschaft noch einiges in diesem Bereich aufzuholen haben.

Die CDU steht vor einer deutlichen Neuorientierung. Die Ära Merkel neigt sich langsam ihrem Ende entgegen. Was sind die Themen, die Deiner Meinung nach von unserer Partei in Zukunft mehr in den Vordergrund gerückt werden sollten?

Den Klimawandel halte ich derzeit für eines der dominierenden Themen, die die deutsche und internationale Politik umtreiben. Das Thema sollte man auf jeden Fall ernstnehmen und nach realisierbaren Lösungsansätzen suchen. Diese Flanke haben wir als Gesamtpartei gegenüber den Grünen leider zu lange offengelassen, sodass sie mit ihren Ansichten in diesem Bereich als dominierend angesehen werden. Mir geht es nicht darum, die Grünen zu imitieren, sondern verstärkt eigene Konzepte auszubauen und stetig weiterzuentwickeln. Mir ist es vor allem ein Anliegen, dass wir einen leistungsfähigen Austausch zwischen Ökologie und Ökonomie finden, der massentaugliche Gesamtlösungen bereithält. Auch im kleinen Rahmen können wir zur Bekämpfung des Klimawandels eine Menge beitragen.

Wie siehst Du Deine politische Zukunft? Würdest Du gerne erneut das Landtagsmandat für Deinen Wahlkreis anstreben?

Die Zeit im Düsseldorfer Landtag war bisher sehr lehrreich und spannend für mich. Ich bin glücklich, an der Realisierung verschiedenster Projekte mitgewirkt haben zu können. Gerne würde ich meine Arbeit als Landtagsabgeordnete fortsetzen und weiterhin für meine Heimat und unser Land arbeiten.

Zum Abschluss noch eine persönliche Frage: Wie verbringt die Landtagsabgeordnete des Wahlkreises Wesel III ihre politikfreie Zeit am liebsten? Was ist für Dich die ultimative Entspannung?

Natürlich verbringe ich meine Freizeit am liebsten mit meiner Familie. Und im Pferdestall: Die Mistgabel ist ein sehr guter Ausgleich zur Politik, um den Kopf völlig freizubekommen. Außerdem lese ich sehr gerne: Ein Tag ohne ein Buch ist ein verlorener Tag. Deswegen schlafe ich nicht ein, ohne nicht wenigstens ein paar Seiten gelesen zu haben.

Das Interview führte Jamie Duponcheel.

Kontaktperson

Arvid Hans Hüsgen

Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

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