"Es geht um Aufgeschlossenheit anderen Gegenüber" - Sie berichtet aus Kriegsgebieten, talkt bei BILD und ist beliebte Gesprächspartnerin zum Thema „Integration“. Die Journalistin Düzen Tekkal (42) kann vieles und hat klare Ideen für unser Land und die CDU.

Neulich schickte mir ein Freund aus der SPD einen Link. „Ganz starker Artikel“, schrieb er dazu. „Hier bekommt man tatsächlich ne Idee, was moderne Volkspartei heißen kann.“ Der von ihm angepriesene Text war ein Gastbeitrag in der FAZ, geschrieben von Jens Spahn und Düzen Tekkal. Unter der Überschrift „Die CDU ist die Volkspartei der vielfältigen Nation“ formulieren der Minister und die Journalistin nicht nur eine Leitidee für die Union, sondern vor allem einen weltoffenen Patriotismus. Es geht um Aufgeschlossenheit anderen gegenüber, aber auch um klare Regeln des Zusammenlebens. „Diese Themen können wir nicht den Rechten überlassen“, sagt Düzen Tekkal im Gespräch mit der BISS35 .

Nun ist der Name Tekkal in Deutschland wahrlich nicht so typisch wie Meier, Müller oder Schulz. Und doch ist die Tochter jesidischer Flüchtlinge aus der Türkei wahrscheinlich in manchen Punkten „deutscher“ als viele der besagten Meiers. Und das nicht nur, weil Tekkal in Hannover und damit in der gefühlt durchschnittlichsten Stadt mit dem höchsten Hochdeutsch geboren und aufgewachsen ist. Deutschland liegt ihr mitsamt seiner Werte und Chancen einfach am Herzen. „Wir sind ein tolles Land mit unendlichen Möglichkeiten. Und dieses Lippenbekenntnis müssen wir auch mal über die Lippen bringen“, sagt sie ohne jede Deutschtümelei.

Mit vier Jahren war sie das erste Mal im Niedersächsischen Landtag, ihr Vater hatte sie mitgenommen. Er war nicht nur Gastarbeiter, sondern auch jesidischer Flüchtling. Das Schicksal dieser Minderheit hat der Fliesenleger an vielfältigen Stellen immer wieder platziert, weil es sonst niemand getan hätte. „Er hat sich in das Grundgesetz gerettet“, sagt seine Tochter. Daheim machte Papa Tekkal seinen elf Kindern derweil vor allem eines deutlich: „Man kann etwas erreichen, wenn man sich anstrengt.“ Der kleinen Düzen legte er dementsprechend immer stapelweise Zeitungen vor. „Er wollte, dass ich Journalistin oder Politikerin werde, um unsere Geschichte zu erzählen.“ Der Plan ist bekanntermaßen aufgegangen.

Tekkals Geschichte des Aufstiegs ist heute eine unter vielen. Die Biontech-Gründer Uğur Şahin und Özlem Türeci sind aktuell ein weiteres, prominentes Beispiel. „German Dream“ nennt Tekkal solche Geschichten und so heißt auch eine von ihr gegründete Initiative. Unter dem Dach von „German Dream“ tauschen sich Tekkal und rund 150 Mitstreiter mit Schülern über Werte und Aufstieg aus. Über diese Arbeit spricht Tekkal immer mit viel Leidenschaft und ist auch sonst freundlich in der Stimme. Dass sie mal laut werden könnte, ist irgendwie schwer vorstellbar. Doch sie eckt auch an. Gerade in ihrer eigenen Religionsgemeinschaft macht sie sich nicht nur beliebt, wenn sie Missstände wie das Patriarchat anspricht. „Wer Gewalt predigt, die Demokratie verächtlich macht, die Gleichberechtigung von Mann und Frau oder die religiöse Neutralität des Staates nicht akzeptiert, ist unser Gegner“, heißt es im FAZ-Gastbeitrag von ihr und Spahn.

Die beiden verbindet eine langjährige Zusammenarbeit. Sie ist Teil von Spahns Zukunftswerkstatt und dort etwa Expertin für Integration. Auch Julia Klöckner weiß um Tekkals Wissen und hatte sie 2016 beispielsweise in ihr Schattenkabinett berufen. „Ich bin kein CDU-Mitglied“, sagt sie, wenn man sie darauf anspricht, und widerlegt damit manchen Medienbericht. Sie stehe der CDU aber „sehr nahe“, was zuhause zuerst einmal verwundert hat. Ihr Vater hat seit über 30 Jahren das SPD-Parteibuch.

Solche Schubladen zu überwinden, ist überhaupt ein roter Faden ihres Lebenslaufs. „Sowohl als auch“ liegt ihr besser als „Entweder oder“. Anders ist es nicht zu erklären, wie sie aus Kriegsgebieten berichten und genauso selbstverständlich im BILD-Format „Jetzt reden Vier“ über Frauenthemen quatschen kann. „Ich habe auch schon Menschen mit meinem Lebenslauf schockiert“, sagt sie und nennt als Beispiel, dass sie nach dem Politikstudium zu RTL gegangen ist. Das ist auch eine ihrer Empfehlungen an die Junge Union: „Ich wünsche mir Impulse von der JU, die man vielleicht nicht erwartet“, sagt sie. „Und ich wünsche mir guten Streit.“

Passend dazu endet der Gastbeitrag von ihr und Spahn mit folgenden Worten: „Der weltoffene Patriotismus als Haltung und Erzählung kann das Land wie auch die CDU ins 21. Jahrhundert führen. Weil gerade eine vielfältige Nation in Zukunft eine starke Volkspartei der Mitte braucht.“ Angesichts solcher visionären Aussagen verwundert es fast ein bisschen, wenn Medien Düzen Tekkal immer auf „Integration“ reduzieren. Egal ob es nun um Jesidenverfogung im Irak oder Frauen in Führungsetagen geht, ihr Lebensthema ist viel allgemeiner vor allem eines: Menschlichkeit.


Autor: Florian Hemann

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